Positive Energiebilanz

  
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Eine sogenannte positive Energiebilanz ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Fettspeicher im Körper wachsen. Ohne Energieüberschuss ist der Körper nicht in der Lage, Fettpolster aufzubauen.

Mit dem Begriff positive Energiebilanz ist gemeint, dass man mehr Energie in Form von Nahrung aufnimmt als man verbraucht.

Das klingt sehr einfach und die meisten Menschen denken dabei ausschließlich an die Nahrungsmenge und die Bewegung.

Doch schon die Beobachtung im Alltag zeigt, dass es so einfach nicht sein kann.

Fast jeder übergewichtige Mensch kennt andere Menschen, die viel mehr essen als er und trotzdem schlank bleiben. Einige dieser schlanken Vielesser bewegen sich viel und erhöhen dadurch den Verbrauch. Doch andere Vielesser bewegen sich kaum und bleiben dennoch schlank.

Der Grundumsatz

Der wichtigste Unterschied liegt beim Grundumsatz.

Der Grundumsatz ist die Energiemenge, die der Körper in absoluter Ruhe braucht, ohne Arbeit und sportliche Bewegung.

Er wird unter anderem durch die Muskelmasse, die Temperatur, das Alter und die Stoffwechselaktivität der inneren Organe bestimmt.

Ein halbwegs kräftiger Mann hat etwa einen Grundumsatz von 2.000 Kilokalorien täglich, bei einer durchschnittlichen Frau liegt er bei ungefähr 1.500 Kilokalorien.

Bei einer Frau, die viele Diäten hinter sich hat, kann der Grundumsatz jedoch auf unter 800 Kilokalorien täglich absinken. Solch eine Frau müsste also 700 Kilokalorien weniger essen als eine durchschnittliche Frau, um ihr Gewicht zu halten.

Zu einem gewissen Teil ist die Höhe des Grundumsatzes wohl angeboren. Doch viel mehr wirkt sich aus, wie der Mensch gelebt hat und wie er aktuell lebt.

Durch sein Verhalten kann man den Grundumsatz also absenken oder erhöhen.

Diäten senken den Grundumsatz ab, weil der Körper durch die Diät lernt, mit weniger Energie auszukommen. Das gilt insbesondere für Crash-Diäten mit extrem reduzierten Kalorienmengen (z.B. unter 1.200 kcal pro Tag) . Mit jeder strengen Diät, die man durchführt, wird der Grundumsatz weiter abgesenkt. Das Abnehmen fällt immer schwerer.

Üppige Fettpolster wirken auch senkend auf den Grundumsatz, weil die Körperform und die Fettschicht isolierend gegen Kälte wirkt. Dieser Isolierungseffekt und die damit verbundene Energieeinsparung kann ganz erheblich sein. Darum schwitzen dicke Menschen auch leichter als dünne Menschen. Der Temperaturfaktor wirkt sich ganz wesentlich auf den Grundumsatz aus, denn der Körper verbraucht 70% bis 80% der Nahrungsenergie, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Muskeln wirken hingegen steigernd auf den Grundumsatz. Je mehr Muskelmasse man hat, desto mehr Energie wird verbraucht. Man verbraucht mit mehr Muskeln sowohl mehr Energie beim Sport als auch in Ruhe auf dem Sofa oder im Bett liegend. Durch Muskeln aufbauendes Krafttraining kann man seinen Grundumsatz also besonders wirksam erhöhen.

Die vermehrte Muskelmasse ist ein wesentlicher Grund dafür, warum Männer im allgemeinen mehr Energie verbrauchen als Frauen.

Schwindende Muskeln sind ein Hauptgrund, warum Menschen im Laufe der Jahre immer weniger Energie verbrauchen und daher auch leichter dick werden. Schon ab dem Alter von 30 Jahren beginnt der natürliche Muskelabbau. Pro Jahr nimmt man im Schnitt ein Prozent ab. Durch aktives Muskeltraining kann man diesen Muskelabbau jedoch verlangsamen oder sogar umkehren.

Der sinkende Grundumsatz im Alter hängt aber vermutlich zusätzlich damit zusammen, dass der Körper im Laufe der Jahre lernt, die Nahrung immer besser zu verwerten und sparsamer mit der Energie zu haushalten. Das ist für schlechte Zeiten sehr nützlich, sorgt in guten Zeiten jedoch für Übergewicht bei älteren Menschen. Jenseits der 40 muss man berücksichtigen, dass man weniger Nahrung braucht. Wenn man weiterhin genau so viel isst wie mit 20, wird man wahrscheinlich nach und nach immer dicker werden.

Zur Ermittlung des Grundumsatzes gibt es zahlreiche Formeln, die mehr oder weniger kompliziert mehrere Faktoren, wie beispielsweise Gewicht, Größe und Alter miteinander verrechnen. Doch der tatsächliche individuelle Grundumsatz kann mit diesen Formeln nicht berechnet werden.

Genauer kann man den persönlichen Grundumsatz mithilfe der Kalorimetrie ermitteln. Aber das ist ein aufwendiges und teures Verfahren und wird daher im Alltag nicht eingesetzt.

Im normalen Leben kann man darum gar nicht so einfach erfahren, wie hoch der eigene Grundumsatz ist.

So bleibt nur die praktische Erfahrung. Wenn man zunimmt, obwohl man wenig isst und sich regelmäßig bewegt, dann ist wahrscheinlich der Grundumsatz sehr niedrig. Wie man den Grundumsatz erhöhen kann, erfahren Sie ab Seite 99.

Die Schilddrüse

Ein wichtiger Faktor für den Grundumsatz ist die Aktivität der Schilddrüse. Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Energieverbrauch ganz entscheidend steuern. Wenn viele Schilddrüsenhormone im Körper zirkulieren, ist der Stoffwechsel sehr aktiv und der Körper verbraucht jede Menge Energie.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn zu wenig Schilddrüsenhormone produziert werden. Dann ist die Stoffwechselaktivität herabgesetzt und der Körper verbraucht nur wenig Energie.

So wundert es nicht, dass Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion meistens sehr schlank bis mager sind und Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion zu Übergewicht neigen. Viele der Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion leiden unter ganz erheblichem Übergewicht.

Dabei ist eine Schilddrüsenunterfunktion nicht einmal sehr selten. Etwa ein Drittel aller Frauen über 40 hat eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Unterfunktion der Schilddrüse. Daher lohnt es sich, die Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen, wenn man sich als Frau in den besten Jahren fragt, warum man plötzlich so stark zunimmt.

Eine Schilddrüsenüberfunktion ist jedoch genau so wenig wünschenswert wie eine Unterfunktion. Man wird zwar meistens gertenschlank, wenn die Schilddrüse zu aktiv ist, aber die meisten der Betroffenen haben einen stark erhöhten Blutdruck. Dadurch besteht bei Ihnen erhöhte Gefahr für Schlaganfälle und Herzinfarkt. Oft leiden sie auch unter quälendem Herzrasen und ständiger Unruhe.

Am besten ist es daher, wenn die Schilddrüse ausgewogen funktioniert und genau das richtige Maß an Schilddrüsenhormonen produziert.

Effektive Verwertung der Nahrungskalorien

Wenn schon der Kalorienverbrauch so komplex ist, könnte man meinen, dass wenigstens die Kalorienzufuhr durch Essen eine klare und eindeutige Sache ist. Doch mitnichten!

Je nachdem, welcher Mensch isst, hat eine Nahrung unterschiedlich viele Kalorien.

Die üblichen Kalorientabellen sind also nur ungefähre Richtwerte. In Wahrheit schwanken die Kalorienwerte von Mensch zu Mensch. Auch bei ein und demselben Menschen können die Kalorienwerte je Nahrungsmittel schwanken, wenn er beispielsweise seine Ernährung umstellt oder ab- und zunimmt.

Wenn man ein Nahrungsmittel regelmäßig zu sich nimmt, lernt der Körper, es immer besser zu verwerten. Der Kaloriengehalt für den Körper nimmt also nach und nach zu. Wie stark diese Kalorienzunahme ist, ist von Mensch zu Mensch und von Nahrungsmittel zu Nahrungsmittel verschieden. Daher kann man hierzu keine allgemeingültigen Werte angeben.

Aus der Kalorienzunahme durch Gewöhnung kann man folgern, dass es für die schlanke Figur hilfreich ist, sich abwechslungsreich zu ernähren. Der Körper gewöhnt sich dann nicht zu sehr an gleichbleibende Nahrung.

Trotz der Kalorienzunahme durch Gewöhnung bleibt die Größenordnung des Kaloriengehaltes einzelner Nahrungsmittel jedoch in etwa gleich. Schokolade oder Kartoffelchips bleiben kalorienreich und Salatblätter bleiben kalorienarm.

Kalorienreiche Ballaststoffe

Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass Ballaststoffe von einigen Menschen wie kalorienreiche Kohlenhydrate verwertet werden können.

Allgemein gelten Ballaststoffe als besonders gesund und förderlich für die schlanke Linie.

Das gilt jedoch nicht für alle Menschen.

Manche Menschen können Ballaststoffe so verdauen und verwerten, als wären es nahrhafte Kohlenhydrate.

Diese Fähigkeit ist in Notzeiten sehr wertvoll, denn man kann dann im wahrsten Sinne des Wortes ins Gras beißen und erhält dadurch Nahrungsenergie.

In üppigen Zeiten ist diese Fähigkeit jedoch sehr unpraktisch, denn wenn man sich der schlanken Linie zuliebe besonders ballaststoffreich ernährt, nimmt man trotzdem unerwartet zu.

Die Umwandlung der Ballaststoffe in Kohlenhydrate verläuft zudem meistens mit Blähungen und Bauchschmerzen. Die Fähigkeit, Ballaststoffe als Nahrung zu verwerten, hat in guten Zeiten also mehrere Nachteile.

Wenn man feststellt, dass man nach dem Verzehr von Vollkornprodukten und anderen ballaststoffreichen Nahrungsmitteln zu Bauchschmerzen neigt, liegt der Verdacht nahe, dass man ein Ballaststoffverwerter ist. Wenn man außerdem zunimmt, obwohl man kalorienarm und ballaststoffreich ist, wird dieser Verdacht erhärtet.

In diesem Fall ist es sinnvoll, die allgemeinen Empfehlungen für eine ballaststoffreiche Ernährung in den Wind zu schlagen und sich so zu ernähren, wie es einem am besten bekommt.

Abnehmen gelingt in diesem Fall durch eine reduzierte Nahrungsmenge und nicht durch den Umstieg auf Vollkornprodukte.
































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